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„Mjamjam“__Vom Kofferraum in den Fachhandel

Simon Hucke (links) und Jens Kern, zwei der fünf Mjamjam-Geschäftsführer. Foto: Mjamjam

Handwerk, Hartnäckigkeit und ein eher leises Auftreten: Die Futtermittelmarke „Mjamjam“ hat sich im dicht besetzten Markt für Premium-Heimtiernahrung etabliert. 2026 feiert das Unternehmen sein zehnjähriges Bestehen.

Als Jens Kern 2016 zusammen mit seiner Frau Kristina die Firma Mjamjam gründete, hatte er ein klares Ziel: endlich sein eigener Chef sein. „Ich bin ein Typ Mensch, der sich schwertut, sich irgendwo unterzuordnen“, erklärt der Gründer offen.

Was mit einem minimalen Startkapital, einem Computer vom Mediamarkt und Produkten aus dem Kofferraum begann, ist heute ein europäisch agierendes Unter - nehmen mit rund 250 Mitarbeitern. Eine Erfolgsgeschichte, die zeigt, dass es auch ohne Investoren und große Businesspläne geht – wenn die Mischung stimmt.

Umschulung bei einem Hersteller

Der Weg in die Branche war für Kern eher Zufall als Plan. Nach einer Verletzung im Leistungssport absolvierte er eine Umschulung bei einem Tiernahrungshersteller in Oberbayern. „Wenn du mir vor 20 Jahren gesagt hättest, du verkaufst irgendwann mal Hunde- oder Katzenfutter, dann hätte ich abgewunken“, erinnert er sich.

Doch die Erfahrung war Gold wert: „Ich wusste, was funktioniert am Markt, welche Positionierungen es gibt und was theoretisch noch möglich sein sollte. Ich konnte dort sehr viel Wissen sammeln.“ Deshalb zögerte Kern nicht länger und legte los. „Ärmel hochkrempeln und machen“, diese Mentalität hat er sich bis heute bewahrt.

Der Kunde sollte nachkaufen

In einem Markt mit zig Marken sollte sich „Mjamjam“ abheben. Die angedachte Strategie lautete: „kompromisslose Qualität zum erschwinglichen Preis, kombiniert mit einem völlig neuen Look“. „Wir waren so ziemlich die erste Marke, deren Etiketten gezeichnet daherkamen“, erklärt Kern das charakteristische Comic-Design.

Auch der Name war Zufall: „Mein ältester Sohn war damals ein Jahr alt. Beim Füttern macht man gerne 'Mjamjam, schmeckt gut'. Und dann dachte ich, hey, so könnte doch eigentlich die Marke heißen.“

Die inhaltliche Positionierung war ebenfalls klar: „Wir wollten Produkte verkaufen, die der Kunde wieder nachkauft. Daher sollte die Qualität des Produkts an erster Stelle stehen.“ „Mjamjam“, so Kern, gehöre zu den Marken, die konsequent Fleisch an erster Stelle in der Rezeptur führe.

Hartnäckiger Vertriebsaufbau

Der Vertriebsaufbau war dennoch anstrengend: „Jeder Fachhändler, einer nach dem anderen, ist wirklich angefahren worden“, beschreibt Kern die Anfangszeit. Und dann war man hartnäckig: Bei einem Futterhaus in Wedel bei Hamburg, 900 Kilometer vom eigenen Firmen- Standort entfernt, überzeugte er den Inhaber, die Ware direkt aus dem Kofferraum ins Regal zu stellen.

Der richtige Durchbruch kam 2018 mit der Listung auf der Hausmesse beim Großhändler Becker-Schoell. „Das hat uns auf einen Schlag circa 300 Fachhändler gebracht“, erinnert sich Kern. Im selben Jahr kam Thomas Hagl als Geschäftsführer für den stationären Vertrieb an Bord, 2019 folgte Simon Hucke. Beide brachten exzellente Netzwerke und Branchenerfahrung mit.

Eine strategische Entscheidung erwies sich als Wettbewerbsvorteil: der Aufbau eines starken Außendienstes. „Wir wollten einen stationären Vertrieb mit richtig Manpower“, erklärt Simon Hucke. Heute betreuen 19 Vertriebsmitarbeiter die Märkte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien. Auch wenn dies viel Geld koste, das Feedback, das sie dafür bekämen, sei 100 Prozent positiv. „Und es ist ein Zeichen von Wertschätzung und Vertrauen“, hebt Kern hervor.

Mehrere Hersteller

Vertrauen und ein fast freundschaftliches Verhältnis prägen auch die enge Zusammenarbeit mit der Produktion. Da die Marke „Mjamjam“ stark gewachsen ist – online wie stationär – arbeitet das Unternehmen inzwischen mit mehreren Herstellern, um Risiken zu minimieren und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Gleichzeitig bleibe der hohe Qualitätsanspruch, weshalb die Lieferanten mit Bedacht gewählt worden seien.

Neben persönlichem Engagement, Fleiß und stabilen Margen liegt das Erfolgsgeheimnis auch in der Unternehmensstruktur. Die fünfköpfige Geschäftsführung besteht aus den Inhabern Jens und Kristina Kern, Thomas Hagl, Simon Hucke und Peter Kaczmarek. Jeder davon hat seine spezielle Expertise.

„Wir pflegen ein entspanntes Verhältnis zueinander“, versichert Hucke, „wir sind über die Jahre auch privat Freunde geworden. Die letzten zehn Jahre gab es keine Entscheidung, hinter der nicht alle standen.“ Kern ergänzt: „Wir haben außerdem ein sehr starkes mittleres Management und eine sehr starke Abteilungsleitung, die sehr eigenständig arbeiten.“

Breites Sortiment

Mit einem umfangreichen Sortiment besetzt „Mjamjam“ nahezu alle relevanten Segmente: vom klassischen Nassfutter über Bio-Rezepturen bis zu Insektenprotein. Früh brachte das Unternehmen im Katzenbereich eine Insektenvariante auf den Markt. Functional Food findet sich in der eigenen Wellness-Serie.

Zwar beobachtet Mjamjam Trends aufmerksam, doch Neuheiten entstehen nicht aus Prinzip. „Wenn wir Neuheiten machen, dann müssen die Sinn ergeben“, betont Kern. Nicht jeder Versuch war erfolgreich: „Es gab auch Produkte, die haben nicht funktioniert. Dann muss man die Courage haben zu sagen, wir stellen das wieder ein.“ 

2023 kam es zur Übernahme der traditionsreichen Marke „Grau“. Die Akquisition ergänzt das Portfolio perfekt um Nahrungsergänzungen und bringt 35 Jahre Innovationserfahrung ins Haus. „Grau“ bleibt als eigenständige Marke erhalten.

Keine starren Ziele

Auf die Frage nach der Zukunft äußern sich Kern und Hucke bewusst vorsichtig. Langfristige Pläne gebe es, aber keine starren Ziele. „Wenn man die letzten fünf Jahre anschaut, die unter anderem von Corona, Rohstoffverknappung und Ukraine-Krieg geprägt waren, ist es unheimlich schwierig zu sagen, wo man nächstes Jahr überhaupt ist“, gibt Kern zu.

Die Devise lautet: Jahr für Jahr planen, flexibel bleiben. Das Wachstum in Europa stehe weiter im Fokus. Die Investitionen der letzten Jahre in Logistik, IT und Prozesse haben die Basis dafür gelegt.

Und die Philosophie bleibt: „Bei uns stehen die Marken und die Produkte im Vordergrund – nicht irgendwelche Zahlen oder Gründergeschichten. Wir wollen einfach gute Produkte verkaufen.“ Zur Interzoo 2026 wird Mjamjam das zehnjährige Jubiläum feiern. „Mit Neuheiten und einem Messestand, der nicht zu übersehen sein wird“, verspricht Kern. 

Sabine Gierok