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BRANCHENBERICHT 29
zeit und einmal nach der Regenzeit, im
überfluteten Dschungel. Dieser Ver-
gleich brachte unglaublich viele neue
Erkenntnisse zu den Verhaltens- und
Ernährungsweisen der Fische. Welt-
weit einmalig waren Unterwasserauf-
nahmen von Altum-Skalaren in ihrem
natürlichen Lebensraum.
2023 führten zwei Expeditionen in
die Südsee nach Französisch Polyne-
sien in den abgelegenen Tuamotu
Archipel. Ein Erstnachweis des Riff -
barsches Chromis nitida war nur eine
Besonderheit.
Die bislang letzte Expedition führte
2025 nach Peru. Im Lebensraum von
Diskus konnten Wasserwerte und Bio-
topdaten erhoben werden. Am Titicaca-
see entstanden in 4.000 Metern Höhe
Unterwasseraufnahmen. Der See ist
zwar berühmt, aber kaum erforscht.
Besonders intensiv waren die Begegnungen mit Haien. Foto: JBL
„Infos aus erster Hand“
zza: Warum haben Sie diese Expeditionsreihe gestartet?
Heiko Blessin: Wenn ich für JBL damals als Exportleiter
Übersee unterwegs war und noch Zeit für Biotopunter -
suchungen hatte, kam von vielen die Frage, ob man
da mal mitkönnte. Außerdem tauchten immer mehr nicht
verifizierte Infos im Internet auf. Wir wollten Infos aus
erster Hand – ungefiltert und persönlich ermittelt. So
entstand die JBL-Expedition.
Welche Entdeckung oder hat Sie am meisten überrascht?
Am meisten überrascht war ich von der Vielzahl Süßwas-
ser-Fischarten, die aktiv in starker Strömung zu finden
waren. Bei Altum-Skalaren hätte ich es zum Beispiel
nie vermutet. Am meisten schockiert hat mich der Zivi -
lisationsmüll, der weit ab von jeglicher Zivilisation zu
sehen war. Plastiktüten an Orten, wo gefühlt noch
niemand vorher war.
Wie fließen die gewonnenen Felddaten in die
Produktentwicklung ein?
Bei Fütterungsversuchen mit Futter-Prototypen können
wir immer wieder deutliche Präferenzen der wildleben-
den Fische beobachten. Dies nehmen wir dann eins zu
eins als Ergebnisse mit. Aber auch lustige Erfahrungen
können zu Produktverbesserungen führen: Die Anleitun-
gen der JBL Wassertests klebten durch die hohe Luft-
feuchtigkeit in den Tropen zu stark zusammen, dass sie
niemand mehr lesen konnte. Wir haben daraufhin die
Anleitung als Piktogramme auf die Rückseiten der Farb-
karten gedruckt und sie laminiert. Nun funktioniert es
auf Expeditionen und im Zoofachhandel auf den nassen
Tischen, an denen getestet wird.
Welche Expedition war die größte Herausforderung?
Tansania steht da weit vorne: 80 Teilnehmer mit einem
Flugzeug von Arusha zum Tanganjikasee fliegen. Gepäck
passt nicht in den Flieger. Also persönlich alles aus-
und gut gestapelt wieder einladen. Parallel mit einem
LKW die Pressluftflaschen zum See fahren lassen, da sie
nicht im Flieger transportiert werden durften. Dann dem
Piloten nach dem Start erklären, dass wir zum Tangan -
jikasee und nicht zum Malawisee fliegen wollen. Ist
manchmal recht lustig.
Was macht das nächste Ziel Papua-Neuguinea
besonders?
Die umliegenden Korallenriffe sind weltklasse, weil sie
intakt und nicht geschädigt sind. Aber das Besondere sind
die kleinen Critters im Meer. Kleine, schwer zu findende
Kreaturen, die extrem selten und nur an ganz wenigen
Orten der Welt zu finden sind. Für die Süßwasseraquaria-
ner wird es spannend: In den klaren Flüssen und Bächen
war noch niemand. Wir werden zusammen mit den Indige-
nen in diesen Flüssen und Bächen schnorchelnd nach
Regenbogenfischen, Grundeln und nachts auch nach
Krebsen suchen. Mal sehen, wie viele neue Arten wir
finden. Sabine Gierok
zza. 4/2026





















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