zza: Trixie-Gründer Bonnik Hansen war schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem Käufer. Mit dem US-Unternehmen Central Garden & Pet scheint der passende Partner gefunden worden zu sein. Herr Friedrichsen, können Sie uns schildern, wie der Kontakt zu Central Garden & Pet entstanden ist und wie aus den ersten Gesprächen schließlich dieser Einstieg als Mehrheitsgesellschafter wurde?
Burkhard Friedrichsen: Bonnik Hansen hat sich frühzeitig und sehr verantwortungsvoll mit der langfristigen Zukunft von Trixie beschäftigt. Dabei ging es nie nur um einen Verkauf, sondern vor allem um die Frage, wer das Unternehmen in seinem Sinne weiterentwickeln kann und zu der bestehenden Kultur eines familiengeführten Mittelständlers passt. Im Rahmen dieses Prozesses, der etwa eineinhalb Jahre gedauert hat, haben wir verschiedene potenzielle Partner kennengelernt.
Bei Central Garden & Pet hat sich schon beim ersten Treffen gezeigt, dass wir viele gemeinsame Werte teilen: eine langfristige unternehmerische Denkweise, eine Kultur geprägt von Wertschätzung und Bodenständigkeit, die große Leidenschaft für die Heimtierbranche sowie ein hoher Anspruch an Kundenorientierung und nachhaltiges Wachstum. Aus den ersten Gesprächen entwickelte sich ein intensiver Austausch über Strategie, Marktchancen und Synergien. Je besser wir uns kennengelernt haben, desto deutlicher wurde, dass Central nicht nur finanziell, sondern auch strategisch ein sehr guter Partner für die nächste Entwicklungsphase von Trixie sein kann. Daraus ist schließlich die Vereinbarung über den Einstieg als Mehrheitsgesellschafter entstanden.
zza: Nach unserer Recherche hat Central eine Mehrheitsbeteiligung von 80 Prozent erworben zu einem Preis von rund 400 Millionen Euro. Können Sie dies so bestätigen? Hat Central die Möglichkeit, auch noch die restlichen Anteile der Minderheitsgesellschafter zu übernehmen?
Friedrichsen: Das kann ich so bestätigen. Wichtig ist für uns, dass die neue Gesellschafterstruktur langfristige Stabilität schafft und gleichzeitig Kontinuität gewährleistet. Auch nach der Transaktion bleiben die Altgesellschafter Volker Haak und Dirk Jessen mit jeweils zehn Prozent minderheitsbeteiligt. Das war Central, aber auch allen anderen, besonders wichtig. Wie bei solchen Transaktionen üblich, können die Gesellschafter nach einigen Jahren Put- und Call-Optionen ausüben. Dies kann frühestens in vier Jahren erfolgen, es ist aber keine feste Exit-Vereinbarung vorgesehen.
zza: Sie sprechen in der Pressemitteilung von „neuen Möglichkeiten für die Zukunft“. Ist Trixie für Central der Einstieg in Europa? Und umgekehrt: Wird Trixie mit Central im Rücken auch stärker in den US-Markt gehen
Friedrichsen: Für beides ein klares Ja. Die Partnerschaft eröffnet beiden Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten. Für Trixie bedeutet dies Zugang zu weiterem Know-how, zusätzlichen Ressourcen und einem starken internationalen Netzwerk. Umgekehrt bringt Trixie eine führende Position im europäischen Heimtiermarkt ein. Europa ist für Central bereits heute ein relevanter Markt – der Einstieg aber ohne Partner über den großen Teich schwierig. Bei Trixie verfügen wir über eine starke Marktposition in vielen europäischen Ländern, eine etablierte Marke und ein leistungsfähiges Vertriebs- und Logistiknetzwerk.
In den USA ist Trixie bisher nur ein kleines Licht. Central verfügt dort über große Marktkenntnisse, ein großes Distributionsnetzwerk mit etablierten Strukturen und engen Kundenbeziehungen. Gemeinsam werden wir prüfen, wie wir sich daraus ergebende Chancen bestmöglich nutzen können. Unser Fokus liegt dabei auf nachhaltigem Wachstum und nicht auf kurzfristigen Expansionseffekten.
zza: Sie betonen die besondere Unternehmenskultur in Tarp. Wie stellen Sie sicher, dass diese Kultur unter einem börsennotierten US-Konzern als Mehrheitseigner erhalten bleibt?
Friedrichsen: Die Unternehmenskultur von Trixie war von Beginn an ein zentrales Thema der Gespräche. Für uns war klar, dass wir nur mit einem Partner zusammengehen, der die Werte und die Identität unseres Unternehmens respektiert und bestenfalls schon selbst im eigenen Unternehmen lebt. Gerade weil Trixie in den vergangenen Jahrzehnten so erfolgreich war, besteht überhaupt kein Interesse daran, die Stärken des Unternehmens grundlegend zu verändern. Die bestehende Geschäftsführung bleibt an Bord, Entscheidungen werden weiterhin nah am Markt und nah an unseren Kunden getroffen. Unser Standort in Tarp bleibt das Herz von Trixie.
Wir erleben Central als Unternehmen, das Unternehmertum fördert und erfolgreiche Organisationen nicht vereinheitlichen, sondern stärken möchte. So agierte Central bisher bei allen vergangenen Akquisitionen und steht für die Erhaltung der Eigenständigkeit der Unternehmen, Bodenständigkeit und Wertschätzung. Alles, was auch Trixie ausmacht. Das gibt uns großes Vertrauen in die zukünftige Zusammenarbeit.
zza: Central bringt eigene Marken und Portfolio-Stärken mit, insbesondere bei Hund und Katze. Sollen Trixie- und Central-Sortimente künftig zusammengelegt oder verzahnt werden? Oder wo sehen Sie strategische Vorteile und Synergien für die Zukunft?
Friedrichsen: Aktuell geht es nicht in erster Linie darum, Marken oder Sortimente zusammenzulegen. Beide Unternehmen verfügen über starke Marken, erfolgreiche Produkte und eine klare Marktpositionierung. Allerdings werden wir natürlich in den nächsten Schritten ganz genau schauen, welche Synergien sich im Produktportfolio, entweder unter unseren Marken „Trixie“ und „Jollypaw“ oder unter der ein oder anderen bestehenden Central-Marke, ergeben. Central ist ebenso wie Trixie sehr stark im Bereich der Produktinnovation und hält über 800 Patente.
Die beiden Stärken zusammengelegt können die Produktattraktivität für den Fachhandel und den Endverbraucher besonders stärken und Innovationen aus den USA noch schneller in den europäischen Markt bringen. Entscheidend für uns beide ist es aber, dass beide Unternehmen ihre jeweiligen Stärken einbringen und voneinander lernen können. Genau darin liegt der strategische Wert dieser Partnerschaft.
zza: Der Abschluss des Deals ist für Anfang 2027 angekündigt. Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die wichtigsten konkreten Schritte bis dahin?
Friedrichsen: Bis zum geplanten Abschluss stehen zunächst die üblichen regulatorischen Genehmigungen und vertraglichen Vollzugsschritte an. Für uns ergeben sich in dieser Zwischenphase die größten Hausaufgaben in der Finanzbuchhaltung. Wir stellen diese aktuell von einer Mittelstands-Buchhaltung auf die Anforderungen eines US-börsennotierten Unternehmens um, sodass die dortigen Anforderungen in allen Belangen erfüllt werden können.
Parallel dazu führen wir den offenen Dialog mit unseren Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern fort. Transparenz und Verlässlichkeit haben in dieser Phase höchste Priorität. Gleichzeitig beginnen beide Unternehmen damit, sich noch besser kennenzulernen und mögliche zukünftige Chancen und Synergien zu analysieren. Das operative Geschäft läuft jedoch unverändert weiter und hat für uns weiterhin höchste Priorität.
zza: Viele Fachhändler fragen sich sicherlich: Was ändert sich für uns? Müssen sich Ihre Kunden auf veränderte Konditionen, Sortimentsstrukturen oder Servicelevel einstellen? Oder bleibt alles wie gehabt?
Friedrichsen: Trixie bleibt Trixie. Das ist das höchste Gut und Versprechen. Für unsere Kunden bleibt daher zunächst alles wie gewohnt. Die vertrauten Ansprechpartner, Prozesse, Sortimente und Serviceleistungen bleiben unverändert bestehen. Trixie wird weiterhin eigenständig geführt und verfolgt unverändert seine Strategie, Fachhändler mit attraktiven Produkten, hoher Lieferfähigkeit und exzellentem Service zu unterstützen. Mittelfristig wollen wir unseren Kunden zusätzliche Vorteile bieten, die sich aus unseren Synergien ergeben – etwa durch weitere Innovationen oder zusätzliche Ressourcen und Ideen. Unser Anspruch bleibt jedoch derselbe: der verlässliche Partner des Fachhandels.