Beim Radfahren mit Halsband können bei plötzlichen Stopps oder seitlichem Ausbrechen gefährliche Zugkräfte entstehen. Diese werden auf das Halsband übertragen und wirken unmittelbar auf die Halswirbelgelenke, die Bandscheiben sowie die Nervenstrukturen des Rückenmarks und der Blutgefäße im Halsbereich ein. Im schlimmsten Fall können Distorsionen der Halswirbelsäule die Folge sein – vergleichbar mit einem Schleudertrauma – aber auch Bandscheibenschäden, neurologische- und Nervenschäden sowie Kehlkopf- und Luftröhrenverletzungen.
Eine der kritischsten Situationen ist das plötzliche Stehenbleiben des Hundes, während das Fahrrad weiter rollt. Dabei entsteht ein kurzer, aber extrem hoher Kraftimpuls. Dieser kann Gefäßverletzungen hervorrufen bis hin zu Ohnmacht oder neurologischen Ausfällen.
Unterschätzt wird meist auch die Laufgeschwindigkeit. Im Gegensatz zum freien Laufen, bei dem der Hund sein Tempo selbst bestimmen kann, wird diese beim Radfahren meist vorgegeben. Häufig wird dabei übersehen, dass der Hund dauerhaft schneller läuft als er es natürlicherweise würde.
Die natürliche Ausdauerbewegung ist der Trab, da dieser biomechanisch besonders effizient ist und sich die Bewegungsimpulse gleichmäßig über Körper und Wirbelsäule verteilen. Wird dieses Bewegungsmuster dauerhaft gestört, können Fehlbelastungen zu Verspannungen und Problemen in Wirbelsäule und Gelenken führen.
Auch wenn sie praktisch erscheinen, um den Hund auf Abstand zu halten, so werden Fahrradhalterungen oder Antennen häufig missverstanden, da sie weder gute Leinenführung noch passende Geschwindigkeit ermöglichen. Läuft der Hund dauerhaft unter Spannung an der Halterung oder wird durch diese Konstruktion ständig seitlich gezogen, können Schäden am Schultergürtel und der Wirbelsäule entstehen. Aufgrund der unnatürlichen Kräfte sind auch Verletzungen der Pfotenballen möglich.
Ein Geschirr ist fürs Radfahren eindeutig die bessere Wahl. Leider wird auch hier oft das falsche gewählt. Besonders sogenannte Sattelgeschirre oder Modelle mit quer verlaufenden Brustgurten können die Beweglichkeit der Schulter deutlich einschränken. Die Schulterblätter des Hundes gleiten bei jeder Bewegung weit nach hinten und vorne – wird diese Bewegung durch das Geschirr blockiert oder eingeengt, verändert sich das gesamte Gangbild. Die Folge können kompensatorische Bewegungen sein, bei denen andere Muskelgruppen oder Abschnitte der Wirbelsäule stärker belastet werden.
Für das lockere Mitlaufen am Fahrrad eignen sich daher vor allem anatomisch geschnittene Y-Geschirre, die den Schulterbereich frei lassen und den Druck gleichmäßig über Brust und Rumpf verteilen. Diese sollten vor dem Kauf ordentlich angepasst werden: eine Handbreit muss zwischen Vorderbein und Brustgurt passen.
Beim sportlichen Ziehen – etwa im Bikejöring – kommen dagegen speziell konstruierte Zuggeschirre sowie Bungeeleinen mit Ruckdämpfung zum Einsatz, die den Kraftverlauf entlang des Körpers leiten und den Rücken entlasten. Am Ende entscheidet also nicht allein die Aktivität darüber, ob Radfahren für den Hund gesund ist, sondern – neben Alter, Rasse und Grundgehorsam – vor allem Tempo, Ausrüstung und Trainingsaufbau. Werden diese Faktoren berücksichtigt, kann das gemeinsame Radfahren eine sinnvolle und gelenkschonende Möglichkeit sein, Bewegung und Auslastung in den Alltag zu integrieren.
Lou Herfurth