Pflanzenseminar__Die Natur ist der beste Lehrmeister

Heiko Blessin (rechts) von JBL und Stefan Hummel von Dennerle Plants. Foto: S. Zander

Kürzlich hat am Firmensitz von JBL in Neuhofen das letzte von drei Aquarienpflanzen-Seminaren des Jahres 2025 stattgefunden. Über alle Veranstaltungen hinweg kamen insgesamt 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Zoofachhandel zusammen, um ihr Wissen aufzufrischen oder Neues zu erfahren. Heiko Blessin von JBL und Stefan Hummel von Dennerle Plants zeigten sich mit der Resonanz sehr zufrieden.

Die Weiterbildung handelte offiziell von der Biologie und Pflege von Aquarienpflanzen – doch beim genauen Hinschauen ging es um viel mehr.  Der Titel des Seminars gab den Hinweis: „Wirkung von Aquarienpflanzen auf die Fischgesundheit“.

Es ging um Zusammenhänge. Welchen Einfluss hat die Wasserchemie auf das Pflanzenwachstum? Welchen Einfluss hat das Pflanzenwachstum auf die Wasserchemie? Das Ziel im Aquarium ist es, ein möglichst stabiles biologisches Gleichgewicht für die darin lebenden Organismen zu schaffen. Also nicht nur Pflanzen, sondern auch Fische, Garnelen oder Schnecken. Und weil alles irgendwie zusammenhängt, ist es ratsam, sich das Expertenwissen aus erster Hand zu besorgen. 

Praktische Naturbeobachtung statt grauer Theorie 

Blessin und Hummel gingen in ihren Ausführungen direkt an die Quelle. Sie ergänzten theoretisches Wissen durch praktische Beobachtung vor Ort. Die beiden Experten berichteten von zahlreichen Expeditionen in die natürlichen Lebensräume tropischer Arten.

Sie arbeiten im Geiste der großen Naturforscher des 18. und 19. Jahrhunderts wie Alexander von Humboldt, Charles Darwin oder Alfred Russel Wallace. Immer wieder begeben sie sich in die Biotope, um Arten zu verstehen oder Beobachtungen zu bestätigen. „Wir sind Jäger, aber unsere Beute sind keine Trophäen, sondern Wissen und Bilder“, sagt Stefan Hummel. Wer versteht, wie eine Pflanze in einem Fluss in Brasilien wächst, kann dieses Stück Natur erfolgreich ins Wohnzimmer holen. 

Es ist der Transfer von In-situ-Wissen in die Ex-situ-Haltung. Dabei war der Weg zum heutigen Wissensstand steinig: In den Anfängen der Aquaristik glich vieles einem riskanten Experiment, bei dem mangels Erfahrung zahlreiche Rückschläge hingenommen werden mussten. Erst durch jahrzehntelange Beobachtung lernten Menschen, die Bedürfnisse der Natur zu verstehen.

Einen Meilenstein setzten ab 1835 die sogenannten „Wardschen Kästen“. Mit diesen Vorläufern des modernen Aquariums konnten Pflanzenjäger tropische Gewächse erstmals unversehrt über monatelange Schiffsreisen nach Europa bringen. Doch sie dort nicht nur zu besitzen, sondern auch gedeihen zu lassen, war ungleich schwieriger. 

Heute geht es weniger um die Entdeckung neuer Arten als um die präzise Erkundung ihrer Standorte. Durch Messwerte vor Ort lernen die Experten, wie Pflanzen im Aquarium besser kultiviert werden. Heiko Blessin betont: „Wenn ich im Rio Negro sitze und die Wasserwerte messe, dann ist das die nackte Wahrheit. Wer misst, muss nicht raten.“ 

Die Schnittstelle zum Kunden 

Die Empfehlung an den Fachhandel ist deutlich: Stellt dem Kunden Fragen. Die Regeln der Natur sind universell, aber jedes Aquarium ist anders. Die Wasserwerte bilden die Basis, doch wer erfolgreich sein will, muss viele Stellschrauben berücksichtigen. Dieses Wissen wurde über Jahrzehnte in Biotopen, Kellern und Laboren gesammelt. Der Zoofachhändler steht dabei an der Schnittstelle zwischen Forschung und Endkunden. Er gibt das Wissen weiter, damit die Aquarien zu Hause funktionieren.

Die Teilnehmer betonten den Vorteil des Präsenzseminars: Interaktion, Live-Versuche und Pflanzen zum Anfassen. „Trotz 15 Jahren Berufserfahrung ist es wichtig, Themen zu festigen und in die Tiefe zu gehen“, sagte ein teilnehmender Hornbach-Abteilungsleiter. Eine andere Teilnehmerin, seit 15 Jahren im inhabergeführten Fachhandel tätig, schätzt die Kooperation der Marken: „Man muss die Stärken bündeln und Hand in Hand für die Sache arbeiten.“ 

Tierschutz durch Pflanzenkraft 

Aquarienpflanzen sind auf den ersten Blick nicht relevant für eine Weiterbildung nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes. Doch sie leisten mehr, als nur gut auszusehen. Sie produzieren Sauerstoff, bauen für die Tiere schädliche Stoffe ab und können Giftstoffe entfernen. Erst damit schaffen sie einen gesunden Lebensraum. 

Blessin und Hummel sind sich einig: Ein Aquarium ist kein bloßer Glaskasten, sondern ein lebendiges Abbild der Natur. Stefan Hummel bringt es auf den Punkt: „Die Natur ist der beste Lehrmeister.“ Für Heiko Blessin folgt daraus die Konsequenz für die Praxis: „Wissen ist der Schlüssel zum Erfolg.“

Hinter der Kooperation von JBL und Dennerle Plants steht mehr als nur der Verkauf von Produkten. Es geht um die Begeisterung für das biologische Detail, die der Fachhandel an den Kunden weitergibt. Alexander von Humboldt lehrt: „Alles ist Wechselwirkung. Ein gemeinsames Band umschlingt die ganze organische Natur.“ In Neuhofen wurde dieses Band für die Teilnehmer greifbar. Wer versteht, wie die Dinge im Wasser zusammenhängen, berät nicht nur besser – er sorgt dafür, dass die Aquaristik begeistert und dauerhaft funktioniert.

Sebastian Zander