Hunde erziehen__Immer mit der Ruhe

Katinka Stinchcombe. Foto: Wecandog

Wer ein Kind hat, muss es erziehen. Das ist bei einem kleinen Hund nicht anders. In den vergangenen 25 Jahren sei das Interesse an Hundeerziehung und –training ständig gewachsen, sagt Hundetrainerin Katinka Stinchcombe. Die Halter seien zunehmend verunsichert, weil es mittlerweile so viele Informationen in Medien und Internet gebe. Stinchcombes Rat: Gelassen bleiben!

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, sagt der Volksmund. Was bei Kindern eingeschränkt stimmen mag, darf bei Hunden getrost als Quatsch bezeichnet werden, jedenfalls wenn man Katinka Stinchcombes Einschätzung folgt. „Hunde können sich phänomenal anpassen und ihr ganzes Leben lang lernen“, sagt sie. Das nimmt zwar Druck von Hund und Halter, aber natürlich hat Mensch ein reges Interesse daran, dass der Welpe früh einige grundlegende Verhaltensmuster lernt. Niemand möchte ständig nasse Flecken auf dem Fußboden entfernen.

Doch der Reihe nach: Die Erziehungsarbeit mit einem Welpen beginnt schon vor dem Einzug des Tieres. Ob ein Hund, der beim Joggen mitläuft, ein Wachhund, der beschützt, oder aber ein verschmuster Familienhund – zunächst gehe es um die Frage, welches Tier zum Menschen beziehungsweise welcher Halter zu einem bestimmten Tier passt, so Stinchcombe. Der Mensch sollte sich darüber im Klaren sein, ob er die täglichen Bedürfnisse des Tieres befriedigen kann.

Zu viel Stress

Wer sich mit seinem Welpen in Stinchcombes Hundeschule anmeldet, sollte sich auch die Frage stellen, wie er das Tier erziehen möchte. Ist der Halter durchsetzungsfähig oder eher harmoniebedürftig? Bei der Erziehung spielt nicht nur die Persönlichkeit des Hundes eine Rolle. Viele Welpenhalter machten sich zu viel Stress, sagt Stinchcombe, gerade am Anfang. Die Hundetrainerin rät zur Gelassenheit im Umgang mit dem jungen Hund. Das Tier orientiere sich ganz stark am Menschen, dessen Körpersprache und Stimmung. Wer hier Sicherheit und Ruhe ausstrahlt, übertrage das automatische auf den Welpen.

Auch wenn es für den Halter eine Ausnahmesituation ist, wenn der Hund ins Haus kommt, sollte dem Tier am besten gleich Normalität vermittelt werden. Dazu gehören eben auch alltägliche Situationen, wie mit dem Auto zu fahren oder ein plötzliches, lautes Geräusch auszuhalten, wenn etwa in der Küche mal ein Topfdeckel auf den Boden kracht. Wenn Halter hier durch Gelassenheit zeigen, dass das völlig normal und keinesfalls bedrohlich ist, adaptiert der Hund das schnell.

Mal kurz einkaufen

„Der Hund sollte sein neues Zuhause von Anfang an genauso kennenlernen, wie es eben ist“, sagt Katinka Stinchcombe. Das bedeutet auch, dass der Halter nicht rund um die Uhr dem Welpen zur Verfügung stehen muss. Wenn das Tier müde ist und sich hinlegt, dürfe Mensch durchaus mal kurz einkaufen gehen oder die Wäsche im Keller machen. Das schule auch die Frustrationstoleranz des Welpen, für die Hundetrainerin ein sehr wichtiges Thema.

Der Fokus des Menschen solle nicht permanent auf dem Tier liegen. Wenn der Hund fiept, weil sein Mensch kurz die Wohnung verlässt, um Müll rauszubringen, dürfe man das einfach verpuffen lassen. „Die Welpen werden dann auch ganz schnell zur Ruhe kommen“, so Stinchcombe. Beim nächsten Gang zur Mülltonne sei das für den Hund vielleicht schon kein Thema mehr.

Ruhe lernen

Auch das Schließen der Badezimmertür könne von Anfang an ein Mittel sein, um Normalität aufzubauen und dem Hund zu zeigen, dass alles in Ordnung ist und bleibt, wenn Mensch mal kurz hinter der Tür verschwindet. Auch hier sei wieder die Stimmung des Halters wichtig. Wer keine große Sache aus dem Gang ins Badezimmer macht, helfe dem Tier, Ruhe zu bewahren.

„Ruhe zu lernen ist bei Welpen ein unfassbar großes Thema“, so Katinka Stinchcombe. Hunde seien heute oft „den ganzen Tag angeschaltet“. Weil nun ein Jack Russel Terrier im Haus ist, heiße das noch lange nicht, dass Ballspiel zu Auslastung und Ruhe führt. Der Halter müsse dem Tier die Gelegenheit geben, sich zu beruhigen.

Nicht alles in acht Wochen

Es sind diese basalen Dinge, die schon früh helfen, das Zusammenleben zwischen Tier und Mensch harmonisch zu regeln. Darüber hinaus müsse eben nicht alles in den ersten acht Wochen erlernt werden, sagt die Hundetrainerin. Früh lernen können die Tiere beispielsweise den eigenen Namen. „Name, Futter, Name, Futter – Halter können hier einfach auf den Namen konditionieren“, sagt Stinchcombe. Natürlich müsse das Futter im richtigen Rahmen und Umfang verabreicht werden, damit der Hund nicht zu viel frisst.

Auch die Stubenreinheit könne der Halter von Anfang an mit seinem Hund üben. Welpen müssten bis zu 90 Mal am Tag ein kleines Geschäft verrichten, sagt sie. Wer von Anfang an vorbeugend rausgeht und den Hund stets an dieselbe Stelle bringt, zeige dem Tier, wo das Geschäft erledigt wird. Später dann, wenn der Hund diesen Ort außerhalb der Wohnung verinnerlicht hat, könne Mensch dann auch warten, bis das Tier unruhig wird.

Reife entwickeln

An der Leine zu gehen, habe hingegen Zeit. Hierfür müsse der Hund zunächst eine gewisse Reife entwickeln. Natürlich gebe es auch für Welpen Situationen, in denen sie an die Leine gehören. Nicht mehr zu ziehen, das könnten die Tiere aber auch später noch gut erlernen, sagt Stinchcombe.
Ebenfalls wichtig ist es, dem Hund beizubringen, dass er nicht beißen darf. Keinesfalls solle man Situationen vermeiden, in denen das passieren kann, also etwa beim wilden Spiel. Vielmehr sollte der Halter es darauf ankommen lassen, dass der Hund mal etwas fester zupackt. Wer dann das Spiel abbricht und kurz aufschreit, zeigt dem Hund: Das darf er nicht!

Die klassischen Kommandos wie „Sitz, Platz oder Aus“ könnten im Welpenalter schon angelernt werden, sagt die Hundetrainerin. Sie strikt durchzusetzen, dafür bleibe auch später noch Zeit. Oder um das das eingangs erwähnte Sprichwort für Welpen abzuwandeln: Was Hänschen nicht gelernt hat, kann ja Hans noch lernen.

dh